Vor langer Zeit begann meine Leidenschaft, Düfte selbst zu gestalten, mit einem "Parfümlabor" in Schuhkartongröße. Ich hatte eine Creme für den Hausgebrauch entwickelt und wollte den Geruch verbessern. Erste Versuche mit ÄÖs wie Fichtennadel und Lavendel schlugen fehl, also schnell bei Omikron den "Parfümbaukasten" bestellt (18 Basisdüfte, 12 Zusatznoten) und das Hobbythek-Buch von Jean Pütz über Amazon besorgt. Kasten und Buch erzeugen schnell die Erwartungshaltung, man könne damit nahezu "jedes" Parfüm nachmischen. Die Frage, warum das nicht funktionierte (irgendwie roch alles nach Jasmin und Kosmetischem Basiswasser...), war für mich so interessant, daß sie mich zum Parfümdesign führte. Ein paar dieser Einstiegsmöglichkeiten sollen beschrieben werden.
Parfümbaukästen mit vorgefertigten Parfümölen
Hobbythek Parfümbaukasten
Der Hobbythek-Parfümbaukasten kommt mit großem Anspruch. Die aus meiner Sicht unverzichtbare Chemie wird leider völlig vernachlässigt; dafür bieten Kasten und Buch einen guten Einblick in die Planung einer Duftkomposition. 18 Parfümöle, 12 Zusatzdüfte und 10 ÄÖs sind enthalten.
Kosten: 78 Euro (Kasten) und 19 Euro (Buch)
Link (Kasten)
Link (Buch)
KOSMOS Parfüm-Labor
Der KOSMOS-Verlag, Hersteller der gleichzeitig immer sicherer und immer leerer werdenden Chemiebaukästen, hatte vor einigen Jahren ein "Parfüm-Labor" im Programm, das inzwischen nur noch über Ebay erhältlich ist (der Nachfolger "Beauty-Box" von KOSMOS ist noch im Handel). Der von Monika Zilliken liebevoll gestaltete Kasten enthält - neben einem wirklich lesenswerten Anleitungsheft und diversen Utensilien zum Mischen der Parfümkompositionen - auch die Rezepturen (!) der 8 Basisdüfte. Das ist insofern bemerkenswert, da die Chemie hier nicht versteckt wird und die Parfümeurin sich in die Karten schauen läßt. Statt genauer Mengenangaben finden sich immerhin Größenordnungen der verwendeten Riechstoffe. Hier die (ungefähren) Bestandteile des Parfümöls "WOODY":
946 - dipropylene glycol (CAS: 25265-71-8)
010 - timber propanol (CAS: 70788-30-6)
010 - patchouli hexanol (CAS: 98-52-2)
010 - cedrol (CAS: 77-53-2)
010 - woody acetate (CAS: 32210-23-4)
010 - cedrenyl acetate (CAS: 1405-92-1)
001 - verymoss (CAS: 4707-47-5)
001 - ambroxan (CAS: 6790-58-5)
001 - aldehyde C-12 mna (CAS: 110-41-8)
001 - sandal pentanol / sandalore (CAS: 65113-99-7)
Das bemerkenswerte an WOODY - es erinnert deutlich an das schon oft erwähnte "Let Me Play The Lion". Die Verdünnung ist wirklich sehr stark, so daß der Duft nur andeutungsweise feststellbar ist. Die Verwendung von
Timber Propanol (CAS: 70788-30-6) ist in beiden Düften klar erkennbar.
Kosten: um 20 Euro (über ebay)
Galimard
Galimard ermöglicht den Erwerb eines "Profi-Parfümbaukastens" unter dem Namen "Les Fontaines Parfumées". Der Preis des 127 Dufttypen umfassenden Systems ist mir nicht bekannt, aber man kann (z.B. in Berlin) einen Kurs mit diesem Set buchen. In Grasse (Frankreich) ist der Kurs ebenfalls verfügbar.
Kosten: 79 Euro
Link (Galimard)
Link (Parfumatelier Berlin)
Carl Roth
Carl Roth bietet für 199 Euro ebenfalls einen Parfümlabor mit 22 Essenzen im roten Lederkästchen.
Link (Carl Roth)
MyParfuem
Den Parfümbaukasten "Online" hat eine Gruppe Berliner Studenten unter dem Namen myparfuem.com verwirklicht. Auch hier sind vorgefertigte Parfümöle im Einsatz (vermutlich von
Düllberg-Konzentra, die auch die Rezepturen stellen), deren Umfang ständig erweitert wird. Eine dort bestellte Testmischung roch nach einigen Wochen Reifezeit im Regal nach meinem Geschmack durchaus akzeptabel.
Kosten: 29 Euro für den Mischversuch.
Link (myparfuem)
Perfumer's World
Auch die Perfumer's World bietet einen Parfümbaukasten an. Das System kostet 229 USD und scheint mit Parfümölen zu arbeiten. Im Shop der Perfumer's World können ca. 300 Riechstoffe und ÄÖ's erworben werden. Zudem sind Profikurse verfügbar und - einzigartig - ein Profi-Newsletter ,mit aktuellen GC/MS Analysen neuer Parfüms. Auf Wunsch erhält man sogar die bereits fertig nachgemischten Proben zugeschickt (!). Eine reichhaltige und für den Hobby-Parfümeur wichtige Website.
Kosten: ca. 169 Euro plus Versand, MWSt. und Zoll
Link (Trainings Kit)
Alle bisher besprochenen Parfümbaukästen arbeiten mit vorgefertigten Duftmischungen. Das sichert zwar einen gewissen Erfolg beim Mischen, setzt jedoch der Kreativität gleichzeitig enge Grenzen. So kann eine Basismischung nicht in die (fast immer unbekannten) Bestandteile zerlegt werden. Ein damit gemischtes Parfüm ist somit in Bezug auf seine reinen chemischen Bestandteile eine unbekannte Größe - man ist auf die Lieferanten der Ausgangsstoffe angewiesen.
Parfümbaukästen mit reinen Riechstoffen
- sind deshalb aus meiner Sicht zu bevorzugen. Nur so kann ein einmal gefundener Duft sauber dokumentiert und jederzeit nachgemischt werden. Einziger Anbieter eines solchen Systems ist
perfumer's apprentice
Linda Andrews ist auf den weltweiten Handel mit reinen Riechstoffen in Kleinstmengen spezialisiert. Sie hat einen Kasten inkl. Anleitungsheft entwickelt, der die Struktur einer Reihe großer Parfüms erklärt.
Ein Muß für jeden, der ernsthaft in das Gebiet einsteigen will und meine Empfehlung.
Kosten: ca. 90 Euro plus Versand, MWSt. und Zoll
Link (Beginner's Kit)
Parfüm-Uni
Wem die Parfümbaukästen irgendwann zu langweilig werden, dem sei das Studium "The European Fragrance and Cosmetic Master (EFCM)" an der weltweit einzig offenen Schule für Parfümeure in Versailles bei Paris (ISIPCA) empfohlen. Das Studium dauert 2 Jahre und beinhaltet einen Kursteil in Versailles und einen in Padua. In Versailles existiert auch das einzige "echte" Parfümmuseum. Ein Traum!
Kosten: 20.000 Euro - zuzüglich Unterbringung.
Link (Info)
Das IFEAT Diploma in Perfumery der University of Plymouth (UK) - ein Fernstudium - wird leider nicht mehr angeboten.
perfume - 24. Jul, 00:52